Sigrid Baumann Senn

Oriig Foto BAUMANN SENN SIGRID Website 2016

 

Sigrid Baumann Senn Bildende Künstlerin Erzählerin
„Den Spuren der Natur entlang – anhalten am Ort der Inspiration. Wie findet eine Idee ihr Material: Mit Substanzen experimentieren, Farben, ohne Farbe entstehen lassen. Strukturen erkennen und zulassen, die Sprache der Dinge neu aussprechen.“

Sigrid Baumann Senn wurde 1932 in Schwerte an der Ruhr geboren. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie an den Werkkunstschulen Bielefeld und Wuppertal, der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Hochschule der Künste, Berlin. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart als Bildende Künstlerin, Erzählerin und Autorin.
Seit 1974 begann ihre experimentelle Arbeit mit organischen Substanzen. Unbeachtete Werkstoffe wie Salz, Asche, Erde, Teig oder Pflanzenstaub werden zu Elementen ihrer Kunst erhoben – nach dem alchimistischen Lehrsatz: „Erhebung des Niederen ins Höhere“. Fußspuren, Hitzespuren, Bruchlinien, Schwemmlinien oder Lichtlinien inspirieren sie zu neuen Ideen. “Die Inspiration muss wie ein Blitz auf etwas treffen, das in einem vorbereitet ist“ (Picasso). Die Bildidee kommt erst zur Ruhe, wenn die entsprechende Substanz gefunden wurde. So entstehen Bildobjekte und zeichenhafte Symbolbilder von ungewöhnlicher Faszination. Ihre Arbeiten sind durchdrungen von Kraft, hintergründiger Naturästhetik und Authentizität. Sie ermöglichen eine neue Sicht auf unbeachtete Phänomene. Viele ihrer Bildserien sind zu multiplen Objekten verbunden, zu Spurenteppichen, Kreiszeichenquadraten, Salzwänden, Turmtafeln. Ihr großes Lichtzeichenobjekt umfasst 99 Papiergüsse mit Lichtschlitzen und wurde unter anderem 2000 im Berliner Dom und 2005 in der Villa Frank ausgestellt. 2009 präsentierte der Ludwigsburger Kunstverein in einer Salonausstellung Kompositionen Spuren im schwarz-weißen Sand einer Vulkaninsel. Eine besondere Aufmerksamkeit hat sie den menschlichen Fußabdrücken gewidmet mit denen das Meer und der Wind erstaunliche Verwandlungen anstellen können. Sie beobachtete, wie das Meer in fünf Wellenschlägen eine Fußspur in einen Flügel verwandelt und die Fersenabdrücke der Strandwanderer in einen Sternenhimmel. Bis diese Zeichen auf den Bildtafeln ihre Magie entfalten, sind sie durch verschiedene Prozesse gegangen, sind entdeckt, fotografiert, gedruckt und zeichnerisch bearbeitet worden.
Eine Retrospektive ihres gesamten künstlerischen Werkes wird im November 2009 im Stuttgarter Bülow-Tower zu sehen sein.

„In ihren Arbeiten spüre ich eine Hingabe – ich könnte auch sagen: ein Hinhören – auf die Sprache der Dinge, die sich uns schenken, die sich uns in den Weg stellen und auf die Bewegungen im eigenen Inneren hindeuten.“
Alfred Bast